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Francesca Caccini - oder - Die Befreiung des Mannes von der Insel der Angst
Veranstaltungsbild

Italien 1625: Maria Magdalena von Österreich schwingt das Zepter über die Toskana. Sie setzt Frauenrechte durch, sorgt für die sexuelle Aufklärung der Donne und Dame, fördert Künstlerinnen und krempelt den Hof zu Gunsten des weiblichen Geschlechts um. Ein monarchisches Matriarchat auf Zeit. Marias Liebling: Francesca Caccini. Francesca, Pop-Star des Frühbarocks, erste Komponistin der italienischen Oper, Singvogel, Wunderkind, Untertanin und Angestellte. Unter den Toskanern regt sich eine misogyne Opposition gegen Maria Magdalena und ihre frauenfreundliche Politik. Um den Ängsten und Ressentiments zu begegnen und Frieden zu stiften, wird Francesca von Maria Magdalena mit einer Oper beauftragt. In einem skandalträchtigen Proben- und Kompositionsprozess entsteht ein Werk, das bis heute seines gleichen sucht: La liberazione di Ruggiero dall‘isola d’Alcina. 

Wir schauen mit euch hinter die Kulissen und verfolgen den skandalösen Probenprozess 1625 von La Liberazione: Den Neid des Hofdichters Andrea Salvadori, den glanzvollen Ruhm der Caccini, endlos repetierenden Hofmusikerinnen, einen Schauspieler der an seiner großen Rolle zu Grunde geht, und eine um ihre Macht und Würde besorgte Herrscherin, deren letztes politisches Mittel die Oper zu sein scheint, an die sich ihre Hoffnung und ihr Starrsinn klammert.
Diese alte Welt ist der unseren nicht unähnlich. Diener*innen und Herrscher*innen. Macht und ihr Mißbrauch. Misogynie und Emanzipation, Zwang und Ausbruch. Das System der Herrschaft funktioniert, und es funktioniert doch nicht. Unfälle und Missgeschicke ziehen Risse in das Gefüge. Das ist dort, wo Musik und Wünsche eindringen, von einem herrschaftsfreien Leben, von einem Füreinander-Sein, einem In-der-Musik-Sein. 

Das Ensemble um Schatz & Schande wagt ein popkulturelles Soundexperiment: Cembalo und virtuoser Barock-Gesang treffen auf Violinen-Loops, Effekte, Beats & Bässe. Durch historische Fiktionen, musikalische Kollision und schamlose Behauptungen entsteht ein gynokratischer Imaginations-Raum: fremd, utopisch, heiter und randgefüllt mit Musik die aus der Vergangenheit in eine Zukunft weist, in der Gesellschaft, Oper und Musik gleichberechtigt gedacht und gestaltet werden können.

Es spielen:

Bri Anne Schröder, Anne Schneider & Nabil Pöhls

Anne Schneider (Gesang)
Izabela Kałduńska (Violine, Loopstation, Komposition)
Julia Chmielewska-Ulbrich (Cembalo)
Mustafa Tanbari (Beats & Mixing)

Regie & Dramaturgie: Leonie Sophia Sowa
Musikalische Leitung, Arrangements: Philipp Rücker
Regieassistenz: Elizaveta Koltsova
Bühne & Kostüm: Leila Brinkman
Bühnenbau: Leon Dutz

Mit Musik von Francesca Caccini (1587 – 1640)

~ Triggerwarnung: Das Stück enthält Darstellungen verbaler und körperlicher Gewalt ~




Dauer: 120min
In Kooperation mit: Schatz & Schande

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