Das Filmprogramm führt von entsorgten Erinnerungen der Nachwendezeit über Berlins subkulturelle Zeichenlandschaften durch nächtliche, von Bunkern unterkellerte Wälder in ein mutmaßliches afrikanisches Dorf, bewohnt von Deutschen. Ausgangspunkt ist das Museum, das als Ort der Ordnung und Projektion - befragt, imaginiert und ironisch unterwandert wird.
Wir zeigen:
"Östliche Landschaft" (Eduard Schreiber, 1991 - 13min)
Der Osten ist zur Müllkippe geworden, auf der sich der Rest der Zivilisation finden, Fetzen von Briefen und Formularen, beschädigte Puppen, halb vermoderte Messer und Gabeln. Zeitungsblätter wirbeln durch die Luft.Eine Müllkippe im Norden Berlins. Soeben ist ein Staat beerdigt worden. Schnell noch entledigt er sich seiner Fahnen und seine Bürger lassen all den Hausrat und die Symbole, die an die Vergangenheit erinnern können, zurück. Ein alter Mann versucht noch ein paar Töne auf seinem Akkordeon, in junger Mann wirft seine Kleider weg. Am Horizont kreisen die Raben.
"Stadtmuseum / Moi Rai" (Boris Dewjatkin, 2024 - 26min)
Eine Hommage an Berlin, das Chaos, die verborgenen Zeichen und die Stadt als Palimpsest. Der Blick wird gelenkt auf das Museum des Unscheinbaren, das sich aus dem städtischen Material formiert und zum ästhetischen Repräsentanten und Identifikationsraum seiner Nutzer*innen und Bewohner*innen wird. Anhand seiner Erfahrungen im Stadtraum Berlin beschreibt der Erzähler ein subjektives Paradies, in dem von Menschen gemachte Ordnungssysteme vom Chaosfaktor immer wieder durcheinandergewirbelt werden.
"Burkina Brandenburg Komplex" (Ulu Braun, 2018 - 19min)
„Ein scheinbar afrikanisches Dorf, von Deutschen bewohnt. Der Film Burkina Brandenburg Komplex beschreibt eine geografische Konstruktion, die ‚unser‘ mediales und kollektives Afrika-Bild bedient und mit Ungenauigkeiten auf die Probe stellt. In einer Mine taucht ein archäologisches Fundstück auf: ein Ferrari®. Wir begleiten Joachim in seinem Alltag. Er möchte gerne ein gemeinsames Energieprojekt verwirklichen. Das Museum für preußisches Kulturgut wird von einer Schwarzen Frau unterhalten. Sie präsentiert Artefakte westlicher Konsumkultur mit besonderem Schwerpunkt auf deutsche Güter. Joachim ist in die rituelle Energieerzeugung vor Ort involviert, wird aber zum Höhepunkt von der Zeremonie ausgeschlossen und katapultiert sich schließlich selbst aus der ‚Story/History‘.“
"Safari(Browser)_The_Nature_of_my_Computer" (Andrea Rüthel & Megan Dieudonne, 2021 - 16min)
Eine Userin leert ihren digitalen Schreibtisch und entdeckt darunter die vermeintlich unsichtbare Bühne unserer Computerarbeit: grüne Hügel, spiegelnde Seen, perfekte Himmel. Sie nimmt diese vertrauten, vorinstallierten Landschaften ernst und begibt sich auf eine Spurensuche nach ihrer Herkunft, Bedeutung und Wirkung. Mit Humor und Präzision zeigt der Film, wie die idyllischen Bilder unser Verhältnis zu Technologie geprägt haben, und öffnet auch einen Blick auf darauf, wer oder was in den scheinbar neutralen Landschaften unsichtbar bleibt – und wie sich das Fehlende sichtbar machen lässt.
Im Anschluss findet ein Gespräch mit den Filmemacher:innen statt.
Das mehrteilige Filmprogramm findet parallel zur Ausstellung
Panorama statt, die vom 11.02. bis 12.04.2026 im
Kunstraum IDEAL zu sehen ist. Das Filmprogramm ist eine Kooperation des
Kunstraum IDEAL mit der Initiative
Kino in Bewegung und wird in Zusammenarbeit mit dem
Ost-Passage Theater und Vereinen im Leipziger Umland umgesetzt.
Mehr Informationen: https://idealartspace.de/
Instagram: https://www.instagram.com/ideal_artspace/
Die Ausstellung
Panorama nimmt selbstorganisierte Museen sowie Heimatstuben und Vereine im ländlichen Raum in den Blick und thematisiert das Sammeln und Museum-Machen als identitätsstiftende Praxis und Wissenstechnik. Die Ausstellung beleuchtet die vielfältigen Selbstverständnisse der Museumsmacher:innen und untersucht die Erzählungen lokaler Identitäten.
Panorama ist ein Projekt von
Clara Hofmann, Adrian Lück & Gregor Peschko (Kunstraum IDEAL) mit künstlerischen Beiträgen von
Jos de Gruyter & Harald Thys und
Kartoffelmuseum Nr. 7. (
Leonie Nagel & Max Stocklosa). Die Kuration des Filmprogramms erfolgte durch
Kino in Bewegung.
Kino in Bewegung ist eine Leipziger Initiative, die zusammen mit lokalen Engagierten seit 2019 Filmveranstaltungen in verschiedenen Orten in Sachsen organisiert. Das Projekt will einen wechselseitigen kulturellen Dialog zwischen verschiedenen urbanen und ländlichen Räumen durch unmittelbare Begegnungen herstellen:
“Wir glauben auch in Zeiten allseits verfügbarer Medien an das „Prinzip Kino“ als kollektive emotionale Erfahrung, die Menschen ins Gespräch bringt.”Mehr Informationen: https://kinoinbewegung.de/
Instagram: https://www.instagram.com/kino_in_bewegung/