#nurmitkultur – Aktionstag für den Erhalt der Leipziger Kultur am 20.06.

Zum SA 20.06. rufen wir in Solidarität mit allen Künstler*innen & Kulturschaffenden zum Aktionstag für den Erhalt der Leipziger Kultur auf! Ab 16 Uhr sollen viele dezentrale Aktionen aller Kulturakteure im gesamten Stadtgebiet  – vom Straßenkonzert über Walking Acts bis zum Autokorso durch das Stadtviertel – stattfinden. Im Anschluss soll es individuelle „Umzüge/ Bewegungen“ zum Augustusplatz geben. Dort findet ab 18 Uhr eine zentrale Kundgebung statt, die performativ auf die Stille & Leere hinweisen wird, die zu erwarten ist, wenn den Kulturbetrieben nicht schnell und passgenau geholfen wird und viele in Folge der Krise schließen müssen. Denn bisher gehen viele der staatlichen Hilfsprogramme an den Bedürfnissen der Akteure vorbei.

Auch im Ost-Passage Theater bereiten wir eine dezentrale Aktion vor. Über Näheres informieren wir in Kürze.

Der Aufruf von Leipzig+Kultur:

Liebe Kulturveranstalter, -akteure, -initiativen, -vereine, -zentren und Clubbetreiber – Alle in Leipzig, die Ihr Kultur macht und kreativ seid!

Unterstützt von unserer Kulturbürgermeisterin planen Leipzig+Kultur, Livekommbinat Leipzig, Kreatives Leipzig und die kulturellen Eigenbetriebe der Stadt am 20.06. einen Aktionstag in Leipzig, an dem sich alle Kultureinrichtungen/ Veranstalter/ Vereine/ Clubszene und Künstler:innen beteiligen und auf ihre spezielle derzeitige Situation aufmerksam machen wollen!

Momentan und in Zukunft sind viele Kultureinrichtungen existenziell durch die Einschränkungen durch die Pandemie bedroht, die zu erheblichen zusätzlichen Einnahmeeinbußen führen, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird. Bisher gab es Unterstützung für die Soloselbständigen, aber nicht für die Clubs, Kultureinrichtungen und -vereine.
Knapp 1 Mrd. wurde letzten Freitag vom Bund angekündigt, Mittel, die überwiegend für die „Ertüchtigung der Hygieneschutzmaßnahmen in den Einrichtungen“, die Schaffung weiterer digitaler Angebote und Infrastrukturmaßnahmen eingesetzt werden sollen. Am Dienstag kam nun noch die Ankündigung von 68 Mio. vom Freistaat hinzu, das sich auf die sächsischen Kulturstaatsbetriebe konzentriert und den freien Kultureinrichtungen des Landes eine Hilfe für die bisher entstandenen Liquiditätsprobleme in Aussicht stellt – so lange die Mittel reichen. In beiden angekündigten Hilfsmaßnahmen ist keine Lösung für unser drängendstes Zukunftsproblem enthalten, nämlich die existenzbedrohenden Einnahmeverluste bei einem Spielbetrieb unter Corona-Auflagen, mit nur 20 % Zuschauerauslastung und erhöhten Kosten für die Hygienemaßnahmen.

Die bittere Erkenntnis der vergangenen Wochen, dass der Kulturbereich zu den letzten gehörte, an die bei den staatlichen Hilfsmaßnahmen gedacht wurde und die Tatsache, dass auch jetzt wieder keine Lösungsansätze für die existenziellen Nöte der Kulturveranstalter enthalten sind, lassen an der Substanz von Politikeraussagen zur zentralen Bedeutung der Kultur in unserer Gesellschaft zweifeln. Ist Kultur tatsächlich immer noch ein „Sahnehäubchen“, ein „nice to have“, das in Krisenzeiten über die Klinge springen muss? Was wir brauchen, sind klare und verlässliche Perspektiven, wie es weitergehen kann. Wie in Zukunft Veranstaltungen durchgeführt werden können? Und zwar jetzt! Gerade da eine Pandemie in der aktuellen Zeit nicht eine Frage des „ob“ ist, sondern immer eine Frage des „wann“ bleibt.

In der Öffnungsphase stehen wir alle vor der gleichen Situation, dass wir vom ersten Veranstaltungstag an Verluste erwirtschaften werden. Die Durchführung von Veranstaltungen und Öffnung einiger Häuser ist also defizitärer, als die Totalschließung. Für dieses strukturell-betriebswirtschaftliche Problem müssen konkrete, passgenaue, wirksame und nachhaltige Lösungen gefunden werden. Wir wollen daher an der Verteilung bzw. an der Entwicklung von Förderprogrammen beteiligt sein, denn wir – die Betroffenen – wissen am besten, wo der Schuh wirklich drückt und was uns nachhaltig helfen kann.
Man muss sich klar machen, dass mit dem Verlust von Spielstätten, Konzerthäusern und Clubs, nicht nur die Kultur stirbt, sondern auch die Grundlage unseres Zusammenlebens erodiert und, dass der drohende Verlust an kultureller Infrastruktur schwerwiegende Folgen auch für andere Branchen, wie Gastronomie- und Hotelgewerbe, Logistik, Handel u.v.m. haben wird. Und genau das wird im Moment riskiert.

Umso mehr machen wir deutlich, dass es „NurmitKultur“ geht, dass es Kultur braucht. Gerade jetzt, gerade hier.


(Der gesamte Aufruf wird demnächst veröffentlicht und steht dann auch auf www.leipzigpluskultur.de zur Verfügung)