Bolzplatz (2018)

Ein soziokulturelles Theaterprojekt mit den Jugendlichen aus dem Fußballkäfig im Rabet (Eisenbahnstraße)

Mit „Bolzplatz“ setzt der Ost-Passage Theater e.V. ein außergewöhnliches soziokulturelles Theaterprojekt mit Jugendlichen aus den Vierteln rund um die Leipziger Eisenbahnstraße um. Mit Jugendlichen, deren Vorliebe weniger dem Theater, als vielmehr dem Fußballspielen auf dem nahegelegenen Bolzplatz im Stadtteilpark Rabet gilt. Für viele ist der Bolzplatz der zentrale Treffpunkt, sie verbringen viel Zeit dort, treffen ihre Freunde und lernen ganz ohne professionelles Training gemeinsam Fußball zu spielen. Dass sie daneben auch eine Menge sozialer Fähigkeiten auf dem Bolzplatz trainieren, die ihren Charakter entscheidend prägen, wird von signifikanten Anderen in ihrem Lernumfeld meist übersehen. Das führt zu pädagogischen Fehleinschätzungen. Außerhalb des Bolzplatzes werden ihnen viele Vorurteile entgegen gebracht. Sie gelten als ‚unkonzentriert‘, ’nicht teamfähig‘, ‚für nichts zu begeistern‘, ‚verantwortungslos‘, ’nicht zielstrebig‘ usw. Denn die meisten der „Bolzplatz-Jungs“, die auf dem umgitterten Hartgummiplatz, im „Käfig“ kicken, stammen aus sogenannten bildungsarmen Familien, besuchen die benachbarten Mittelschulen – wo sie nicht selten Schwierigkeiten haben, den Abschluss der 10. Klasse zu bestehen – und viele haben einen Migrationshintergrund.

Erstaunlicherweise zeigen sie beim Fußballspielen auf dem Bolzplatz oftmals genau die Kompetenzen, die ihnen sonst abgesprochen werden. Das heißt, sie können oder wollen ihre Fähigkeiten nicht außerhalb des Bolzplatzes abrufen. Vielleicht ist ihnen die Übertragung dieser Fähigkeiten auf andere Lernfelder nicht einmal bewusst, vielleicht erfahren sie ihre Zielstrebigkeit, ihr Fairplay, ihre Raffinesse und Kreativität bisher einfach nur im Zusammenhang mit dem Fußballspielen, das nur als Freizeitbeschäftigung und ‚Zeit-totschlagen‘ gilt, nicht jedoch als Lernprozess mit jeder Menge Übertragungspotential. Gemeinsam zu kicken, ist aber eben viel mehr als ein nur Spiel. Und genau dieses Bewusstsein wollen wir durch das Projekt „Bolzplatz“ bei den Jugendlichen und in ihrem Umfeld stärken. Das Theater und vor allem das gemeinsame Theaterspielen bietet hierfür die besten Voraussetzungen. Auf der Bühne können wir ein Fußballspiel imaginieren und dabei die bereits vorhandenen Fähigkeiten übersetzen. Was vorher vielleicht eine unterbewusste oder gar unterdrückte Kompetenz war, wird in der Transformation und Anwendung in einer hergestellten Szene plötzlich bewusst und übertragbar. Durch diese Theatererfahrung wollen wir die Jugendlichen ermutigen und ihr Selbstbewusstsein stärken. Und wir wollen dem Publikum – den Eltern, Pädagog/-innen und signifikanten Anderen – zeigen, welche Potentiale im Bolzplatz und seinen Jungs stecken, und damit auch das Image vom Bolzplatz als Lernort demokratischer Mikrostrukturen und -werte wesentlich aufbessern.