Leibniz vor Ort (2016)

gruppe tag präsentiert im Rahmen des Projektes „Leibniz vor Ort“:

gott-fried-maschineGott|Fried|Maschine

Ein philosophisch-performativer Bühnenessay über den unerhörten Niedergang der Subjektivität im Zeitalter der Automaten

Leibniz versetzte das Cartesische “cogitans sum” in den Begriff der “Monade”, einem ausdehnungslosen, unteilbaren und deshalb allen Naturdingen zugrundeliegenden Einzelnen unendlich vielfältiger Qualität. Er durchkreuzte mit seiner Lehre von den „Seele-Teilchen“ den Mechanismus der aufstrebenden Naturwissenschaften und die Gleichmacherei der Allsubstanzlehre Spinozas. Die Idee vom Individuum, dem unteilbaren, seiner selbst bewussten Subjekts, in seiner spontanen Tätigkeit die Fülle des Universums perspektivisch spiegelnd, war geboren. Gleichzeitig jedoch erschien Leibniz die Welt in natürlicher Ordnung, in “prästabilisierter Harmonie”. Alles Übel dieser Welt war gerechtfertigt durch den nicht zu durchschauenden Sinn eines allwissenden, gütigen Gottes, der unsere Welt als beste aller möglichen vorherbestimmt hatte. Einen substanziellen Begriff von Geschichte und Gesellschaft kannte er nicht. Stattdessen wollte er die Sprache von allem Uneindeutigen reinigen und unsere trügerischen Begriffe per “Gedankenalphabet” auf ewig geltende Wahrheiten zurückführen. Sprache sollte zur gutgeölten Maschine werden, ein göttlicher Mechanismus, und der Mensch ein kybernetischer Automat, kaum mehr als ein Personal-Computer. Doch das Rad der Geschichte rotiert so unerbittlich wie die Leibnizsche Rechen-Maschine. Das radikal freie, über Gottes Pläne aufgeklärte Subjekt gebar sich selbst neu. Doch wo steht es heute? Ist seine Freiheit nicht eine Chimäre angesichts einer verwalteten Welt, für die das Individuum nicht mehr „systemrelevant“ genug ist? In 60 Minuten spürt die gruppe tag der Leibnizschen Ideenwelt nach und führt das Publikum an einen pseudo-realen Ort, wo der postmoderne Mensch als (In)Dividuum eine Vielzahl möglicher Welten gleichzeitig durchläuft, die Fenster der „Menschmonade“ nach allen Seiten offen stehen und die Frage „Wer bin ich?“ wieder virulent wird.

PREMIERE & Welturaufführung:

Am Freitag, den 18.11.2016 – 20 Uhr im Neuen Schauspiel Leipzig (Lützner Straße 29), anschließend Premierenfeier

Weitere Vorstellungen:

Am SA 19.11. / FR 25.11. und am MI 07.12.jeweils 20 Uhr im Neuen Schauspiel Leipzig (Lützner Straße 29) Zusätzliche Vorstellungen möglich

Eintrittspreise: 10,- Euro voll und 6,- Euro ermäßigt

Kartenvorbestellungen über:

karten[ät]ost-passage-theater.de oder direkt über das Neue Schauspiel Leipzig

Gott|Fried|Maschine“ ist eine Produktion der gruppe tag unter dem Dach der Initiative Ost-Passage Theater im Rahmen des Projektes „Leibniz vor Ort“ für das Leibniz-Jahr 2016, gefördert durch das Kulturdezernat der Stadt Leipzig, in Kooperation mit dem Neuen Schauspiel Leipzig, dem Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig und dem soziokulturellen Zentrum „Die VILLA“.

 

Ein Gedanke zu „Leibniz vor Ort (2016)

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