L.E.dreams feiert große Premiere

L.E.dreams #1 - cc by Hendrikje DüwelAls das Licht im ausverkauften Saal des Neuen Schauspiel Leipzig kurz nach 20 Uhr langsam ausgeht, warten 126 Gäste gespannt auf die ersten Szenen. Endlich Premiere! Nach fünf Wochen intensiver Probenarbeit, bei der das Theaterkollektiv der gruppe tag in allen künstlerischen Teilbereichen, vom Bühnenbild (Felix Almes) über die Masken und Kostüme (Melanie Sterba), die Video- und Tontechnik (Daniel Schmidt) bis hin zum darstellenden Spiel des sechsköpfigen Bühnenensembles (Astrid Kohlhoff, Florian Rast, Isa Flaccus, Daisy Kratz, Thalja Tebraak, Christopher Brandt) an die Grenzen des Machbaren ging, kann sich die Gesamtkomposition unter der Regie des Theatermachers Matthias Sterba sehen lassen. L.E.dreams #2 - cc by Hendrikje DüwelAuf zwei Ebenen erzählt „L.E.dreams“ von Leipzig 1989 und 2015 und sucht dabei nach den Verbindungslinien, Brüchen, Kontrasten, Ähnlichkeiten von Damals und Heute. Die Kurzgeschichte „Ein kleines Blatt vom Baum der Geschichte“ der Siegerin des Autorenwettbewerbes, Frau Gisela Kohl-Eppelt, bildet die historische Grundlage. Sie erzählt von kleiner Liebe in den letzten Jahren der untergehenden DDR, Republikflucht, gescheiterter Familienzusammenführung, den Wirren der Wende. Kühl, distanziert und dem überbordenden Pathos der Bananen-Enthusiasten entgegen. Die Zeitgeschichte schimmert durch das individuell Erlebte hindurch, der Einzelne wandelt durch sie, taumelnd, strauchelnd, traumtanzend; rafft sich zusammen, ihr entgegen. Das Besondere: Die Geschichte von Kohl-Eppelt bleibt in der literarischen Dichte der Prosa erhalten, wird in die Bühnenhandlung eingespielt, gelesen und vorgetragen. L.E.dreams #3 - cc by Hendrikje DüwelDazwischen blitzt die Aktualität des Jahres 2015 in Leipzig immer wieder auf. Eine WG im Mietkampf, eine junge Generation auf der Suche nach ihrem utopischen Horizont zwischen Patchwork- und Wahlfamilie, hin und her gerissen von historischer Mission und individuellem Begehren, eingespannt in unhintergehbare ökonomische Verhältnisse. Auf der anderen Seite eine Generation, die sich im „Dunkeldeutschland“ des wilden Ostens verloren hat, wieder montags demonstriert, und ein Oberbürgermeister, der den Mut aufbringt, in der Frage der Flüchtlingsunterbringung neue Wege zu gehen. L.E.dreams #5 - cc by Hendrikje DüwelNichts bleibt ungebrochen. Dramaturg Daniel Schade führt das Publikum während der knapp 100 Minuten ohne Pause auch zu den ideologischen Wurzeln der jungen sozialistischen Republik zurück. Zitiert werden Toller, Müller, Nietzsche, Goethe, Adorno und vor allem Ernst Bloch. Dessen humanistisch-optimistischer Glaube an den Menschen und seine inneren Kräfte, die Welt zur Besserung anzuhalten, wird kritisch ausgestellt. „Das Prinzip Hoffnung“ des Philosophen, der von 1949-1961 in Leipzig lebte, ist allgegenwärtig.
Auch wenn das bunte Treiben auf der Bühne bisweilen an eine Überforderung des Publikums heranreicht, bietet die gruppe tag mit „L.E.dreams“ wieder ein ästhetisch dichtes Gesamtkunstwerk, das den einzelnen Zuschauer/-innen viel Raum für eigene Interpretationen lässt. Herausragend wirbelt das sechsköpfige Ensemble durch die Vielzahl der aufgebotenen Rollen und begeistert die Gäste durch vielseitige Wandlungen, Blitzumzüge und präzise Rollenskizzen. Der Applaus hält am Ende lange an. Die anwesende Autorin Gisela Kohl-Eppelt ist glücklich. Wenige Stunden später schreibt sie via Facebook: „Das war eine wunderbare Vorstellung! Ich fühlte mich wie ein kleiner König so als Ehrengast. Es gab viel zu schauen und gespielt wurde einfach fantastisch, es kam keinen Moment Langeweile auf, Das Bühnenbild, die optischen Effekte, die Kostüme, alles überraschend und schön – in Gedanken schüttle ich allen die Hände und murmele. Dankedankedanke.

Die nächste Vorstellung findet bereits am heutigen Sonntag, den 27.09., wieder um 20 Uhr im Neuen Schauspiel Leipzig statt.

Weitere Vorstellungen:L.E.dreams #6 - cc by Hendrikje Düwel
28.09./29.09. u. 12.10./13.10. – jeweils 20 Uhr im Neuen Schauspiel Leipzig (Lützner Str. 29)
10.10. und 11.10. – 20 Uhr in den Cammerspielen Leipzig (Kochstr. 132)
27.10. – 20 Uhr in der Moritzbastei (Universitätsstr. 9)

 

Eintrittspreis:
9,- Euro voll und 6,- Euro ermäßigt

Kartenvorbestellungen über:
karten@ost-passage-theater.de
oder direkt über die jeweiligen Bühnen